Unsere Ziele und Beweggründe

Die A59 verläuft in einer Nord-Süd-Ausrichtung durch Duisburg und stellt eine der wichtigsten Verkehrsadern dar. Die Brücken über den Hafen sind marode und müssen erneuert werden. Nördlich davon wird die A 59 als Hochtrasse weiter geführt. Mitten durch die Wohnbezirke läuft eine 2 mal zweispurige, also vierspurige Trasse und teilt Meiderich und Hamborn in zwei Teile. Die Brücken sind hoch und breit.

Mit dem Neubau sollen die Brücken noch deutlich breiter werden und auf drei Fahrspuren in jede Fahrtrichtung erweitert werden. Zudem sollen hohe Lärmschutzwände erstellt werden. Die Teilung der Stadtteile wird dadurch auf Jahrzehnte manifestiert und zwar in einem deutlich stärker in die städtische Struktur eingreifendem Umfang.

Kurz gesagt: Es wird eine riesige hässliche Trennung vorgenommen. Zusätzlich werden weitere Teile verschattet, es entstehen Angsträume und die Wohnqualität sinkt enorm.

Dem halten wir entgegen, dass es eine bessere Lösung gibt: Nämlich die Trassenführung als Tunnel. Über die Ruhr und das Hafengebiet gibt es wohl technisch keine andere Möglichkeit als die Brücke. Dann jedoch könnte die Trasse abgesenkt und im städtischen Bereich als Tunnel weiter geführt werden. Die Pläne hat der Bund als Träger des Vorhabens vorgelegt. Mit der Tunnellösung würde die breite Trasse im Boden verschwinden. Auf dem so entstehenden Plateau können Bäume, Parks, Büsche angelegt werden, Kinderspielplätze und somit erheblich größerer Raum für Erholungssuchende geschaffen werden. Rad- und Fußwege können darauf entstehen und so die dringend notwendige Nord-Süd-Verbindung für den Radverkehr endlich geschaffen werden. Das hätte positive Auswirkungen auf den Klimawandel und die Gesundheit der Menschen. Den Abgase und Lärm werden verhindert bzw. dort aus dem Tunnel geführt, wo keine Menschen wohnen. Durch bessere Radverkehrsverbindungen können Abgase, Feinstaub, CO2 und Lärm vermieden werden, denn nur durch eine gut Radverkehrsinfrastruktur wird sich der Radverkehrsanteil signifikant erhöhen.

Natürlich sehen wir die Nachteile, die insbesondere sind:

  • höhere Baukosten in bisher noch nicht absehbarer Höhe
  • längere Bauzeiten
  • mehr abzureißende bestehende Bauten

Der Verkehrsminister des Landes NW, Herr Minister Hendrik Wüst, hat mit dem Vorhaben abgeschlossen und verneint aus diesen drei Gründen die Tunnellösung. Er wirft der Stadt Duisburg vor, dass diese zu spät gehandelt habe. Aber was ist von den Ausführungen des Ministers zu halten?

Die Stadt Duisburg hat sofort nach Bekanntwerden der Pläne im August 2018 der Tunnellösung den absoluten Vorzug gegeben und dies in das Verkehrsministerium gemeldet. Dieser Vorwurf ist also falsch.

Die Mehrkosten beziffert der Minister mit immer anderen Zahlen. Offenbar weiß er selbst nicht, wovon er genau redet und widerspricht sich in seinen Angaben selbst. Unberücksichtigt lässt der Minister Wüst jedoch, dass die Baukosten auf die Nutzungsdauer von – so die Angaben der Planer – 100 Jahren gerechnet werden müssen. Gegenrechnen lassen sich Gewinne durch höhere Wohnqualität und damit steigende Wohnwerte, die wiederum – je nachdem wie sich die Grundsteuergesetzgebung gestalten wird – auch zu höheren Einnahmen führen wird. Grundstücke gewinnen an Wert, denn ein Haus direkt an einer Hochtrasse mit Schatten und einem Ausblick auf eine hohe Wand wird deutlich weniger wert sein als ein Haus an einem Park. Es gibt noch weitere positive wirtschaftliche Folgen – all das übersieht der Minister.

Bezüglich der längeren Bauzeit muss ebenfalls betrachtet werden, dass diese zwar im Moment unangenehm ist, jedoch im Hinblick auf die Gesamtnutzungsdauer sicher zu vernachlässigen ist. Es ist nun einmal so, dass die Fehler der Vergangenheit, nämlich die Fehleinschätzung der Verkehrsentwicklung und die damit einhergehende vorzeitige Alterung der Brückenbauwerke, sich nur mit Baustellen beseitigen lassen. Wenn aber dadurch auf Dauer eine deutlich höhere Lebensqualität über Jahrzehnte entsteht, wird sachlich nur argumentiert werden können, dass die längere Bauzeit hingenommen werden muss.

Wegfall bestehender Bauten als letztes Argument ist für die Betroffenen immer ein harter Einschnitt. Wenn vielleicht das Elternhaus oder das Haus, welches über noch mehr Generationen im Familienbesitz steht abgerissen werden muss, tut das weh. Aber es gibt auch eine Entschädigung und das Grundstück wird später einen deutlich höheren Wert aufweisen. Denn das Grundstück am Park ist deutlich werthaltiger als das Grundstück direkt an der sichtbaren Autobahntrasse.

Deswegen haben wir die Interessengemeinschaft gegründet, um für liebens- und lebenswerte Stadtteile Einsatz zu zeigen. Nicht die Minister aus Düsseldorf und Berlin müssen an der hässlichen Trasse wohnen, sondern wir Bürgerinnen und Bürger von Duisburg, von Meiderich, von Hamborn.